Kunst und Politik

Warum nur, so frage ich mich, fühlen sich Dichter, Schauspieler, Musiker oder Maler immer wieder berufen, öffentlich Statements zur Politik abzugeben? Ist es wirklich notwendig so zu tun, als hätte man den absoluten Überblick über weltpolitische Zusammenhänge, den totalen Durchblick bei CETA und TTIP, man wüsste, wie wir normalen Menschen zu denken und zu leben haben? Warum wissen solche Leute immer zielsicher, welcher Kandidat bei irgendeiner Wahl der bessere wäre, wie man die französische Wirtschaftskrise meistern könnte, wie ein Schulsystem aufgebaut sein müsste, wie die Briten mit der EU weitertun sollten, warum die österreichische Neutralität obsolet und warum die Schweizer Demokratie eh nicht so gut sei? Sie wissen alles in drei Sätzen zu erklären.

Sie können Bücher schreiben, durch Fernsehserien hüpfen, auf dem Klavier spielen oder Bilder malen. Aber sind dies entscheidende Voraussetzungen dafür, den globalen Durchblick zu haben und aufzutreten, als hätte man gerade den Streichkas erfunden und müsse nun das schlichte Publikum an seiner Weisheit teilhaben lassen?

Böse Zungen könnten einwerfen, dass es um etwas Anderes gehe, etwa um das Überleben als Künstler. Dieses soll ja nicht zuletzt vom Wohlwollen jener abhängen, die das Steuergeld verwalten, von dem man lebt und die entscheiden, wie oft einer sein Gesicht vor die Fernsehkameras halten darf. Wiegesagt, böse Zungen könnten das behaupten. Faktum ist, dass politische Parteien rund um die Uhr auf der Suche nach Prominenten sind, die sich vor ihren Karren spannen lassen, für welchen gutbezahlten Unsinn auch immer. Faktum ist, dass diese Suche erfolgreich ist.

Der britische Komiker Rowan Atkinson hat einmal gesagt: „Man darf sich als Künstler nicht missbrauchen lassen. Ich verstehe nicht, warum die Künstler, die doch nicht die Kasperln der Welt sind, zu allem und jedemStellung nehmen sollen, als wären sie einsichtiger und besser als die anderen.“