13 x MORD

Erfrischend purzeln Mirella Kuchlings gruselige Kurzgeschichten „13 x Mord“ in das allzu verbreitete Amalgam aus Befindlichkeiten und poetisierender Selbsttherapie unserer Zeit. Wenn Wiglaf Droste einst formulierte, dass 90 Prozent aller Bücher am besten niemals geschrieben worden wären, so zählt „13 x Mord“ mit Sicherheit nicht dazu. Souverän serviert die Autorin ihre mörderischen Desserts, welche, am Ende eines durch und durch verlogenen Tages genossen (in unserer Zeit sind alle Tage durch und durch verlogen), die Leser auf den Boden einer wohlig gruseligen Realität zurückholen, die uns vermuten lässt, dass die (literarische) Welt doch noch in Ordnung ist. Was dieser Schriftstellerin gut anstehen würde, ist der Mut zur Kaltblütigkeit, mit der sie ihre Täter so großzügig ausstattet. Das Schreiben solcher Geschichten verlangt danach, und wir wünschen uns mehr davon. Irgendwo im Ungewissen hütet eine imaginäre Wolkentür die Seelen der Größen des Genres kleiner Kriminalgeschichten. Mirella Kuchling hat heftig an dieser Tür gekratzt. Ich bin sicher, man hat dahinter das Geräusch bereits vernommen…